Forum Islam und Naher Osten (FINO)

FINO Hintergrund

Als drittes Format will «FINO Hintergrund» innovative Ansätze, die direkt aus den auf den Islam und den Nahen Osten bezogenen Wissenschaften stammen und die für die öffentlichen Diskussionen eine hohe Relevanz haben, präsentieren.

Islam und Säkularisierung – Nachtrag zu einer internationalen Tagung an der Universität Leipzig

Die Kollegforschungsgruppe «Multiple Secularities» an der Universität Leipzig veranstaltete vom 4. bis 6. Oktober 2018 eine international besetzte Konferenz zum Thema «Säkularitäten». Ziel der Konferenz war die Bestandsaufnahme einer globalen Beobachtung von Säkularisierungsprozessen in der Gegenwart und der Vergangenheit. Florian Zemmin (Institut für Islamwissenschaft, Universität Bern) und Reinhard Schulze (FINO) referierten über die Herausbildung eines Säkularitätsverständnisses in den muslimischen Gesellschaften. Sie konnten zeigen, dass Säkularität auch in der islamischen Tradition kein Fremdwort darstellt und trotz vielfältiger Anfeindungen heute mehr denn je als Teil der bestehenden sozialen Ordnung begriffen wird. 

Anlass genug für Reflexionen über den Zustand der Säkularität in der Schweiz.

Seit über 20 Jahren hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass Nachhaltigkeit, Transdisziplinarität und Innovation ein enges Geflecht bilden, in dem die Wissenschaften gefordert sind, ihre Erkenntnisse in neuer Weise zu formulieren. Unverkennbar ist, dass die Wissenschaft verstärkt eine Partnerschaft mit der Zivilgesellschaft einzugehen sucht und im Gegenzug die alte Bindung an den Staat lockert. Dieses neue Setting der Wissenschaften beziehungsweise der Universität verlangt auch einen Strategiewechsel hinsichtlich der Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse adäquat gestaltet und verfasst werden und wie der Dialog mit der Zivilgesellschaft geführt werden soll. Vorreiter dieser „zivilgesellschaftlichen Wende“ der Wissenschaften war und ist die Klima- und Umweltforschung sowie die Medizinforschung. Angesichts des sozialen Wandels, der neben dem Klimawandel eine der grossen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts ist, sind nun auch die Geistes- und Sozialwissenschaften zu transdisziplinären Anstrengungen herausgefordert. Stichworte sind hier Migration, Integration, Arbeit, Kultur und die normative Ordnung, die das Zusammenleben bestimmt.