Forum Islam und Naher Osten (FINO)

Thematische Schwerpunkte

Les priorités thématiques

Wie kann die Ereigniskette von Dezember 2010 bis August 2013 rekonstruiert, analysiert und gedeutet werden? Welche Angebote haben die Fachwissenschaften hierzu gemacht?

Bis heute gibt es keinen Konsens darüber, wie die Prozesse der Jahre 2010–2020 periodisiert und benannt werden können. War das, was geschah, eine Revolution, eine Revolte, ein Umbruch? Und wenn eine Revolution, mit welcher Revolution in Europa liesse sich das Geschehen am ehesten vergleichen? Oder muss die «Arabellion» als theoretisch eigenständig angesehen werden?

FINO Lecture: tba

Unbestritten ist, dass der Arabische Frühling und seine Folgen einen politischen Prozess in fast allen Ländern des Nahen Ostens ausgelöst hat. Die politische Landschaft hat sich seit 2010 damit grundlegend verändert. Diese Änderungen beziehen sich nicht nur auf die Herrschaftsordnung, sondern auf die gesamte politische Konstellation. Unter der Überschrift «Krise der Repräsentation» wurde versucht, diese Neuordnung einfassen und zu deuten. Doch ist dies wirklich des Pudels Kern?

FINO-Talk: November 2020

FINO-Interview: tba

Ohne die Erfassung des sozialen Wandels im Nahen Osten wird man kaum den politischen Prozess der vergangenen zehn Jahre im Nahen Osten erfassen können. Dieser Wandel veränderte nicht nur die soziale Kohäsion in den nahöstlichen Gesellschaften, sondern schuf zum Teil völlig neue soziale Räume und Vorstellungswelten, die die Transformationen im Nahen Osten markieren. Doch was hat sich gewandelt? Welche Rollen spielen Feminisierung, soziale Sezession und Generationskonflikt? Welche Folgen haben sich aus den ökonomischen Prozessen ergeben, die zum Schwinden der Mittelklasse beigetragen haben?

FINO-Talk: Dezember 2020

FINO-Interview: tba

Der Arabische Frühling, so zeigt sich heute in einer ersten Retrospektive, war nur der mobilisatorische Höhepunkt eines komplexen Prozesses kulturellen Wandels, der am ehesten mit dem Säkularisierungsprozess verglichen werden kann, der die Gesellschaften der meisten west- und mitteleuropäischen Ländern zwischen 1955 und 1975 erfasst hatte. Soziale Handlungsfelder werden mehr und mehr von den konfessionellen Ordnungen des Religiösen entflochten und neu vergemeinschaftet. Religion wird der Autorität der Staatlichkeit unterstellt.

FINO-Talk: Januar 2021

FINO-Interview: tba

Die Vorstellungswelten im Nahen Osten, die lange Zeit durch politischen Utopien geprägt waren und für die Palästina geradezu symbolische Funktion hatten (man denke an das Palästinatuch), sind heute durch Retrotopien (Václav Bělohradský 1999, Istvan Rev 2001, Timothy Unwin 2006, Durio Llinares 2009, Zygmunt Bauman 2016) geprägt, durch Ordnungsmuster des nostalgischen Anknüpfens an ein Zeitalter der Unschuld, durch ein Anknüpfen an "Antworten, die schon gestern gescheitert sind". Retrotopien ersetzen Utopien, gleichermassen in säkularer wie in religiöser Sprache. Nation und Religion werden retrotopisch gefasst; ultraislamische Bünde bedienen in besonderer Weise solche Retrotopien. Die Frage ist, wie politisch diese Retrotopien sein können und über welche Mobilisationsmacht sie verfügen.

FINO Talk 16_2_2021 Rückschau.pdf (PDF, 237KB)

FINO-Interview: tba